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Als Lehrerinnen noch Fräuleins sein mussten

Seit 1882 gab es die Höhere Mädchenschule am Harderwykensteg

Von Gabriele Boschbach

„Mehr denn je thut auch in unseren Tagen dem weiblichen Geschlechte ein sicheres Verstehen der Menschenwelt, eine sichere Einsicht in die menschlichen Dinge noth." Mit diesen Worten untermauerten einige einflussreiche Bürger 1849 in einem Schreiben an den Leeraner Magistrat die Notwendigkeit, eine höhere Mädchenschule zu errichten. Bis dato gab es für Frauen keine Möglichkeit, sich über die Volksschule hinaus zu bilden. Es sei denn, sie gehörten einer kleinen Gruppe sehr wohlhabender Bürger an, die Privatunterricht in Anspruch nehmen konnte.

Nachdem das Königliche Konsistorium im September seine Zustimmung erteilt hatte, wurde der Plan bereits am 6. Oktober 1849 in die Tat umgesetzt: Drei Lehrerinnen unterrichteten rund 90 Schülerinnen im so genannten Drei-Klassen-System.

Die erste private höhere Mädchenschule – Vorläuferin des heutigen Teletta-Groß-Gymnasiums – war in einem Haus an der Lindenstraße, der heutigen Schmiedestraße, untergebracht. Maßgeblichen Anteil an der Gründung der Einrichtung hatten der liberale Amtsassessor Carl Emmanuel Groß und seine Frau Teletta, die aus der angesehenen mennonitischen Familie Rahusen stammte. Die Stadt beteiligte sich mit jährlich 100 Talern an der Schule – ein Betrag, der weit unter dem Zuschuss lag, den andere Bildungseinrichtungen erhielten. Die Gewerbeschule wurde mit 150 Talern jährlich gefördert, die Navigationsschule sogar mit 200 Talern.

Im Lauf der Zeit wuchs der öffentliche Druck auf den Magistrat, die Trägerschaft der Schule zu übernehmen. Drängend wurde diese Frage in dem Maß, in dem sich die personelle Situation verschärfte. Akademisch gebildete Lehrer waren nämlich nicht oder nur sehr schwer dafür zu gewinnen, an einer Privatanstalt zu unterrichten. Die Lehrerinnen mussten sich verpflichten, im Fall einer Heirat aus dem Schuldienst auszuscheiden.

Altes Schulgebäde

Die Stadt erwarb 1881/82 am Harderwykensteg ein Grundstück und errichtete dort für 60 360 Mark ein Schulgebäude. Dort wurden acht Klassenräume, ein Physiksaal und eine Aula eingerichtet. Das kleine Foto zeigt die 1965 abgerissene Turnhalle.

Neues Schulgebäde

[An der Stelle des alten Schulgebäudes befindet sich heute der Trakt für den naturwissenschaftlichen Unterricht; bo]

Aus der Ostfriesen-Zeitung vom 29. November 2005

2005-12-21, rz