Die Schulgemeinschaft des TGG trauert um Albrecht Weinberg, der am 12. Mai im Alter von 101 Jahren verstorben ist. Wir sind sehr traurig, diesen Menschen verloren zu haben.
Albrecht Weinberg hat in seinem Leben unvorstellbares Leid unter dem NS Regime erfahren: Er wurde seiner Heimat beraubt. Die Nationalsozialisten ermordeten seine Eltern. Der Großteil seiner Familie wurde ausgelöscht. Wie durch ein Wunder überlebte Albrecht Auschwitz, Mittelbau-Dora, Bergen Belsen und mehrere Todesmärsche.
Obgleich er allen Grund zum Verzweifeln gehabt hätte, blieb Albrecht Zeit seines Lebens ein Menschenfreund, der ein wahrhaftiges Interesse an dem Wohlergehen seiner Mitmenschen zeigte. In gemeinsamen Gesprächen blieb er stets seinem Gegenüber zugewandt, hörte sehr aufmerksam zu. Er nahm Anteil, versprühte dabei Witz und Charme.
Bis zum Schluss suchte er den Dialog, insbesondere mit jungen Menschen, um aus einem tiefen Verantwortungsgefühl für zukünftige Generationen die Erinnerung wachzuhalten, aufzuklären und zu mahnen. Unzählige Male folgte er unseren Einladungen, als Zeitzeuge im Teletta-Groß-Gymnasium aufzutreten, in der Ehemaligen Jüdischen Schule für Interviews zu Verfügung zu stehen und uns einmal zu einer Studienfahrt zur Gedenkstätte Esterwegen zu begleiten. Wir sind ihm dafür unendlich dankbar.
Es waren nicht nur die authentischen Erzählungen seiner Verfolgungsgeschichte, welche die Schüler:innen tief bewegten; es war die Herzenswärme und Menschlichkeit, die er verkörperte. Albrechts Stimme und Handeln wirkten wie ein moralischer Kompass, gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit aufzubegehren und für die Humanität und Demokratie einzustehen.
Albrecht Weinberg wird uns sehr fehlen. Seine Botschaft wird aber bleiben. Wir tragen sie weiter.
